vorankommen

Entwicklung einer Willkommenskultur in Dörfern des ländlichen Raums

Projektträger

Regionalentwicklung Vorarlberg eGen

Hof 19

6861 Alberschwende

Kurzbeschreibung

Vorarlberg ist ein Einwanderungsland und würde ohne Zuwanderung aus dem Ausland an Bevölkerung verlieren.  Die demographischen Daten weisen unmittelbar darauf hin. Die Bereitschaft in der Bevölkerung ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine harmonische Entwicklung und für lebendige Dörfer. Der Druck ist groß. Es sind die Krisenherde, die steigende Arbeitslosigkeit in Europäischen Ländern und der Fachkräftemangel bei den Gewerbebetrieben im ländlichen Raum. Sinnvollerweise sollte man die Zuwanderung nicht dem Zufall überlassen, sondern die Dörfer sind gut beraten gute Rahmenbedingungen für Integration im Sinne einer friedlichen und harmonischen Entwicklung zu schaffen. Das Projekt stellt einen Pilotversuch dar, in einem pragmatischen Rahmen eine Willkommenskultur zu entwickeln. Anhand der Umsetzung in einem Pilotgebiet sollen die Möglichkeiten dargestellt werden, um auch weitere finanzielle Mittel für die Verbreitung in andere Gebiete zu mobilisieren und zu sichern.  Die WITUS-Gemeinden stehen mit ihrer Kooperation der Tourismus-, Handels- und Gewerbebetriebe als Koordinationsplattform zur Verfügung.

Ausgangslage

Vorarlberg ist ein Einwanderungsland und Migration ist historisch betrachtet kein neues Phänomen. Derzeit liegt Vorarlberg bei rund 14% Ausländeranteil der Bevölkerung, wobei davon 5,5% schon den österreichischen Pass besitzen. Zum Vergleich: Österreich verzeichnet einen Ausländeranteil von 15% und die Schweiz von 23%. Innerhalb Vorarlberg betrachtet gibt es allerdings große Unterschiede. Der überwiegende Anteil von Migranten zieht es in den Ballungsraum (Rheintal).

In der Studie „Potenziale entfalten – Migration und Integration in ländlichen Regionen Österreichs“ empfehlen die Autoren den Aufbau einer aktiven Willkommenskultur in ländlichen Gemeinden. Auch der letzte Integrationsbericht der österreichischen Bundesregierung (2014) fordert die Verankerung von Willkommenskultur in unterschiedlichen Organisationen des öffentlichen und privaten Bereichs. Ziel soll, laut Integrationsbericht, die Institutionalisierung einer Willkommenskultur in möglichst vielen bestehenden Strukturen sein, mit denen die ZuwanderInnen, aber auch die ortsanwesende Bevölkerung generell im täglichen Leben in Berührung kommen.

Migrations- und Integrationsprozesse sind kein Automatismus, sondern können durch lokale Akteure bewusst gestaltet werden. Aus diesem Grund hat das Thema in der LES2020 „Lebendige Dörfer“ seinen Niederschlag gefunden. Spezifisch wurde dafür die Maßnahme: GW02 „Geeignete Rahmenbedingungen für eine organisierte Zuwanderung schaffen“ definiert. Im Rahmen des Leader-Programmes sollen an Hand einzelner Projekte Modelle und Netzwerke für eine gesteuerte Zuwanderung entstehen.

WITUS ist eine sektorenübergreifende Organisation in der 5 Gemeinden (Bezau, Bizau, Mellau, Reuthe, Schnepfau), 150 Betriebe und eine Schule organisiert sind, stellt die ideale Plattform für ein Pilotprojekt „Willkommenskultur“ dar.

Ziele/Wirkung

Das LEADER-Projekt soll als „Ermöglicher“ dienen. Da die Verbindung zwischen Integrations- und Regionalpolitik und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Vielfalt, Migration und Integration in ländlichen Regionen nach wie vor in den Anfängen steckt, ist es wichtig, Integrationsprozesse mit spezifischen lokalen und regionalen Entwicklungsmaßnahmen zu gestalten. Das vorliegende Projekt kann dazu beitragen, an Hand eines räumlich abgegrenzten Beispiels die Möglichkeiten und Anforderungen einer sinnvollen Vorgehensweise zur Etablierung einer Willkommenskultur im ländlichen Raum beispielgebend aufzuzeigen und weitere finanzielle Mittel für die Verbreitung der Erkenntnisse zu akquirieren.

Das Projekt baut auf bestehenden Strukturen und Maßnahmen auf und fördert die Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen für eine Willkommenskultur durch  gezielte Informations-, Vernetzungs- und Unterstützungsstrukturen. Das Projekt ist auch als öffentlichkeitswirksame Maßnahme gedacht, die zu einer Bewusstseinsentwicklung der Bevölkerung beiträgt.
Die Zielgruppen und Akteure sind: Unternehmen (Handel, Handwerk, Gastronomie, landwirtschaftliche Verarbeitungsbetriebe), Gesundheits- und Pflegeberufe, Migranten und Migrantinnen, Migrantenorganisationen, Gemeinden, Zivilgesellschaftliche Akteure, Bildungsträger, Vereine.

Wirkung des Projektes:

  1. Eine verbesserte Abstimmung zwischen den Akteuren durch die Einrichtung von längerfristigen Koordinationsmechanismen in den witus Gemeinden.
  2. Eine Bewusstseinsentwicklung der handelnden Akteure in Bezug auf die positiven Potenziale der Zuwanderung.
  3. Eine Steigerung in den witus Mitgliedsbetrieben von zugewanderten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die sich längerfristig im Bregenzerwald niederlassen. Während der Projektlaufzeit sollen sich mindestens zusätzlich 100 ausländische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bregenzerwald niederlassen.

Inhalte

Das Projekt umfasst die intensive Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Willkommenskultur durch die Akteure (Unternehmen, Gemeinde, Zivilgesellschaft) selbst. Dies muss durch das Projektmanagement organisiert und koordiniert werden (AP3 Willkommenskultur-Akteurstreffen).

Ein wichtiger Bereich ist die vielschichtige und kulturelle Bildung für die Zuwanderer aber auch für Schlüsselpersonen in den Betrieben und der Bevölkerung. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit mit Bildungs- und Kommunikationseinrichtungen, wo auf die Erfahrungen bestehender Integrations- Fachorganisationen zurückgegriffen wird (AP4 Bildung und Information).

Ein weiter Bereich in der Arbeit ist die Ausführung von interkulturellen Begegnungen und Aktionen zur stärkeren Einbindung der Bevölkerung (AP5 Aktionen für und mit der Bevölkerung).
Weiterer Inhalt ist die Einrichtung einer Netzwerkstruktur bzw. eines Koordinationsmechanismus, für die Organisation der Beherbergung, der Integration in Vereine, der Hilfestellung für die täglichen Bedürfnisse der Zuwanderer, etc. Hier geht es um eine Art Integrationsverantwortlichen-Struktur (AP6 Integrations-Netzwerk).

Ein zentraler Inhalt des Projektes ist auch die Öffentlichkeitsarbeit und die zielgerichtete Kommunikation mit den verschiedenen Zielgruppen bezüglich der Projektinhalte (AP1 Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation).

Resultate

Am Ende der Projektlaufzeit zeichnet sich das Pilotgebiet durch eine gut verankerte Willkommenskultur und eine innovative Willkommensstruktur aus. Als Ergebnis des 3-jährigen Projektes wird erwartet, dass sich das Pilotgebiet durch eine überdurchschnittliche Zunahme an gut integrierten Bürgern aus anderen Gebieten und Herkunftsländern auszeichnet. Dies kommt in der Beschäftigungszunahme und der Zunahme der gemeldeten Einwohner zum Ausdruck. Im geplanten Zielgebiet werden 50 Mehrbeschäftige und eine Zunahme an Einwohnern aus anderen Gebieten von 100 Personen erwartet.

Ein wichtiges Ergebnis des Projektes ist auch die erfolgreiche Akquise weiterer finanzieller Mittel zur Verbreitung der Erkenntnisse und der Anwendung in weiteren Gebieten.

Bezug zum Programm

  • Maßnahme: 3GW.02 Geeignete Rahmenbedingungen für eine organisierte Zuwanderung schaffen
  • Integrationsleitbild des Landes Vorarlberg
  • Initiative der WKV